Die Palmaille - hätten Sie´s gewußt? (03.01.2007)

Die Palmaille - hätten Sie´s gewußt?

Spielbahn, Prachtstraße und beliebte Geschäftsadresse

 

Wer weiß denn heute noch, dass Hamburg und Altona bis 1937 zwei verschiedene Städte waren? Und wer ahnt, dass die Palmaille und die Pall-Mall in London ihre Namen dem gleichen Ursprung verdanken?

Der Spieltrieb war´s, der den Grafen Otto V. aus Pinneberg im Jahre 1638 dazu inspirierte, in Altona auf dem Uferkamm der Elbe 400 Bäume anzupflanzen und eine 650 Meter lange Spielbahn anzulegen. Eine Art Krocket wurde hier gespielt, das Palle Maglio. Das italienische Ballspiel Palle Maglio (italienisch palle = Ball, maglio = hölzerner Schläger) eroberte im Verlauf des 17. Jahrhunderts langsam ganz Europa. Vielerort entstanden neue Spielbahnen, so auch auf dem Damm der Binnenalster, dem Jungfernstieg. Und nicht selten wurden die Spielbahnen später zu Prachtstraßen, wie die Pall Mall in London, die Palmaille und der Jungfernstieg in Hamburg.

Doch zunächst verwaiste die Spielbahn in Altona wieder. Denn die Hamburger, denen die Konkurrenz des Städtchens Altona immer schon all-to-na, eben all zu nah, war, blieben bald aus und spielten auf dem Jungfernstieg. Erst der dänische Stararchitekt Christian Frederik Hansen (1756 - 1845), der in Haus 116 wohnte, gab der Straße mit seinen klassizistischen Bauten ihren besonderen Glanz zurück. Die noblen Villen mit großzügig angelegten Gärten versetzen noch heute in Erstaunen. Wie sagte der Altonaer Dichter Klopstock: Die Häuser zeugen von "vornehmer, freier Lebenshaltung".

Die freigeistige Lebenshaltung bewiesen noch viele andere in der Palmaille: so der Pastorensohn Johann Friedrich von Struensee (1737-1772), der die Grundlagen für eine moderne Seuchenbekämpfung legte. Als einer der Ersten erkannte er, dass die katastrophalen hygienischen Zustände in den Städten Ursache für die immer wiederkehrenden Seuchen war und bekämpfte sie erfolgreich. Oder Detlev von Liliencron (1844 - 1909), einer der beliebtesten Dichter Norddeutschlands. Er wurde als "Dichter der Palmaille" verehrt und machte seine Mansarde in Haus Nr. 5 zu einem Treffpunkt der literarischen und künstlerischen Prominenz seiner Zeit.

Heute verbindet die Palmaille Hamburg mit Altona. Und der Glanz ist geblieben. Nicht nur Touristen zeugen davon. Reedereien, der "Verband der deutschen Kapitäne und Schiffsoffiziere", die "Bundesforschungsanstalt für Fischerei", Finanzdienstleister, Anwälte, Notare, Werbeagenturen - für alle ist die Palmaille, was sie immer schon war: eine gute Adresse.